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DevOps und YaSM - Freund oder Feind?

  18. Januar 2016      Von: Stefan Kempter      DevOps   ITIL  

DevOps und YaSM - Vergleich der Service-Management-Frameworks YaSM und DevOps

Wahrscheinlich bin ich einer der letzten, aber jetzt bin ich doch endlich dazu gekommen, es zu lesen: "The Phoenix Project" [1] - ein Buch, das oft als Pflichtlektüre genannt wird, wenn jemand nach einer soliden DevOps-Einführung sucht.

Nun ist man nach dem Lesen eines Buches zum Thema nicht gleich ein DevOps-Ninja - aber darum ging es mir ja auch gar nicht!

Vielmehr hat es in der letzten Zeit eine wahre Schwemme an Blog-Posts und Kommentaren gegeben, in denen DevOps als Allheilmittel für so gut wie alles angepriesen wurde. Höchste Zeit also, der Sache auf den Grund zu gehen und aus erster Hand mehr darüber zu erfahren.

Meine dringlichste Frage war, wie es sich mit DevOps und YaSM verhält:

Wie viel von YaSM ersetzt DevOps (und - wenn wir schon dabei sind - auch von anderen Servicemanagement-Frameworks wie ITIL®). Oder können sich YaSM und DevOps gegenseitig ergänzen? Und muss sich YaSM an die neue DevOps-Welt anpassen?

Bevor wir zu diesen Fragen kommen, sei erst einmal gesagt, dass das "Phoenix Project" tatsächlich sehr zu empfehlen ist. Weil es in der Form eines Romans geschrieben wurde, ist es sehr kurzweilig, und man kann es ohne Mühe in einem Zug bis zum Ende lesen - was bei nicht vielen Management-Büchern der Fall ist.

Das Buch eignet sich aus meiner Sicht sehr gut dazu, die Grundgedanken hinter DevOps zu verstehen.

Die vorgestellten Konzepte scheinen alle Sinn zu machen, und ich bin sicher, dass dieser Ansatz für viele IT-Organisationen Vorteile bringt. Denn die IT wird immer mehr zum Herzstück eines jeden Unternehmens, und wenn die Geschäftswelt schnelllebiger wird, muss die IT Schritt halten können!

DevOps wird sich auch deshalb noch weiter verbreiten, weil heute die für eine Umsetzung notwendigen Technologien verfügbar sind: Virtualisierung und Containerisierung sind nur zwei davon.

Vor diesem Hintergrund werden wohl immer mehr Organisationen auf DevOps setzen und entsprechende Techniken verwenden.

DevOps und andere Service-Management-Frameworks

DevOps wird sich also auf längere Sicht etablieren - aber wie vergleicht es sich denn nun mit Service-Management-Frameworks wie ITIL und YaSM?

In letzter Zeit ist viel über dieses Thema geschrieben worden, und man stößt auf alle möglichen Ansichten.

Den ersten Punkt können wir wohl gleich abhaken: ITIL blickt auf eine Erfolgs-Geschichte von 20 bis 30 Jahren zurück und hat sich in dieser Zeit bei zahllosen Unternehmen bewährt. Es ist unwahrscheinlich, dass dies alles über Nacht nichts mehr wert sein sollte.

Und wie verhält es sich damit, dass DevOps außer einer neuen Verpackung gar nichts Neues bieten soll?

Die Autoren des "Phoenix Project" sagen dazu z.B.: "DevOps ist die logische Fortsetzung des Agile-Wegs." DevOps baut also tatsächlich auf anderen guten Ideen auf – was eher für als gegen DevOps spricht.

Unter dem Strich ist es wohl für die meisten IT-Organisationen empfehlenswert, sich sowohl mit DevOps als auch mit Service Management Best Practice auseinanderzusetzen - was auch sofort klar wird, wenn man verstanden hat, worum es bei DevOps geht:

DevOps konzentriert sich darauf, die Zusammenarbeit zwischen Fachbereichen, Anwendungsentwicklung, Qualitätssicherung und IT-Betrieb zu verbessern. Zwar ist DevOps eher eine "Vorgehensweise" als ein streng definiertes "Framework"; aber es beschreibt Techniken und Prozesse, mit denen Software schnell und zuverlässig bereitgestellt werden kann - ganz so, wie es die rasch veränderlichen Geschäftsanforderungen vorgeben.

Dabei gibt es auf jeden Fall Berührungspunkte mit einigen Bereichen im Service-Management, besonders mit Release, Change und Configuration Management. Hier kann die DevOps-Denkweise - eventuell in Kombination mit Automatisierung - bestimmt zu besseren, schlankeren Prozessen führen.

Davon abgesehen ist aber der Geltungsbereich von YaSM, ITIL und anderen Service-Management-Framework deutlich breiter: Sie erklären, was Organisationen tun müssen, um Services professionell zu managen.

Dazu gehören Empfehlungen für das Managen des Service-Portfolios, die Pflege der Kundenbeziehungen, das Finanz-Management und die kontinuierliche Verbesserung der Services. DevOps kann in dieser Hinsicht praktisch nichts anbieten.

Somit ist wohl klar, dass DevOps kein Ersatz für YaSM sein kann. Vielmehr werden in vielen Organisationen beide eine Rolle spielen.

Müssen wir YaSM nun anpassen, so dass es besser mit DevOps zusammenspielt?

Für abschließende Aussagen dazu ist es noch etwas früh, aber zum jetzigen Zeitpunkt ist YaSM als schlankes und modernes Framework auf der Höhe der Zeit.

Wenn denn neue DevOps-Denkweisen mit den bewährten Prinzipien des Service Managements kombiniert werden sollen, dann wird das am besten mit einer Art "Zurück-zu-den Wurzeln"-Framework gehen, und weniger gut z.B. mit dem vollen Umfang der ITIL-Empfehlungen, die über die Jahre sehr unübersichtlich und komplex geworden sind.

Und genau so ein Framework, das sich wieder auf die Wurzeln besinnt, stellen wir mit YaSM bereit: Es beschreibt die bewährten Service-Management-Prinzipien einfach und geradlinig. Stellen Sie sich DevOps und YaSM also nicht als Gegner vor - sondern lieber als Mitglieder eines "Dream-Teams".

Ressourcen und weitere Informationen

Referenzen

[1] Gene Kim, Kevin Behr und George Spafford, 2013. - The Phoenix Project: A Novel about IT, DevOps, and Helping Your Business Win. IT Revolution Press, Portland, Oregon; USA. ISBN 978-0988262591.

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Autor: Stefan Kempter